Modernes Kruzifix auf dem Friedhof in Oestereiden

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die verstorbenen Oestereidener Bürger auf dem Friedhof in Hoinkhausen beigesetzt. Der Friedhof erstreckte sich rund um die Pfarrkirche, zwischen Gotteshaus und der den Kirchbereich umschließenden Mauer.

1904 verkaufte der Landwirt Schulenberg-Köller der Kirchengemeinde in Oestereiden an der Straße nach Westereiden ein Grundstück für einen Friedhof. Bereits in diesem Jahr wurde der Friedhof eingeweiht. In dieser Zeit könnte das ca. 5 m hohe alte Friedhofkreuz aus Rüthener Grünsandstein errichtet worden sein.

Im Jahr 1963 wurde der Friedhof der kath. Kirchengemeinde St Antonius Oestereiden um ca 3.500 qm erweitert. In den Verhandlungen mit dem damaligen Vikar Machalke verpflichtete sich die politische Gemeinde Oestereiden zum Ankauf dieser Fläche und zur Aufstellung eines Kreuzes. Der Vikar wurde beauftragt, Vorschläge für die Gestaltung des Kreuzes einzuholen und der Gemeindevertretung vorzulegen. Entwürfe und Kostenvoranschläge wurden u. a. eingereicht von den Bildhauern Brockmann (Geseke), Bergschneider (Lippstadt), Kußmann (Anröchte) und Sprick (Erwitte).  Durch Vermittlung des Vikars und des Literaturprofessors Wilhelm Gössmann aus dem Nachbarort Langenstraße wurde der Auftrag 1965 von der Gemeindevertretung an den Bildhauer u. ökologischen Architekten Johannes Dumanski (1919-1990) aus Achmühle in Oberbayern erteilt.
Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München hatte Dumanski  1960 ein Kreuz für den Eucharistischen Weltkongress in München und in der Folgezeit zahlreiche Auftragsarbeiten in Stein, Holz und Bronze für Kirchen in Deutschland geschaffen. Daneben entwarf er als Architekt skulpturale Gebäude inklusive ihrer gesamten Einrichtungen.

Während der ca. zweiwöchigen Arbeit im Steinbruch in Rüthen wohnte Johannes Dumanski bei der Familie Gössmann in Langenstraße. Wilhem Gössmanns Bruder Anton Gössmann war bei der Aufstellung des Kreuzes dabei. Er ging einige Jahre später bei Johannes Dumanski in die Bildhauerlehre.

Dumanski schuff für den neuen Friedhofsteil ein zweiteiliges Kreuz aus Rüthener Grünsandstein mit nur angedeuteten Querbalken. Das Kreuz in Oestereiden ist ein schönes Beispiel seiner Steinarbeiten: Johannes Dumanski richtete Steinböcke auf und schaffte mit Durchbrüchen Öffnungen zum Licht. Das Kreuz wurde auf der freien Stelle nahe der Leichenhalle im Bereich der Erweiterungsfläche errichtet. Die Gesamtkosten für das Kreuz beliefen sich auf 8.000 DM.

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Der Literaturprofessor Wilhelm Gössmann gab nach dem Tod Dumanskis 1990 das Buch „Der Bildhauer Johannes Dumanski: Holz, Stein Bronze“ heraus, um sein Werk zu würdigen und wichtige Aspekte zu dokumentieren. Das Kreuz wird dort als „Osterkreuz, Rüthener Sandstein, 1963 Friedhof Oestereiden/Westf“abgebildet und folgendermaßen beschrieben:

“…Stein Steinblöcke, wo immer sie herumlagen, bei zerstörten Gebäuden aus dem letzten Krieg, in Steinbrüchen, auf Baustellen, lösten bei ihm größte Faszination aus. Drei Möglichkeiten des Umgangs gab es für ihn: das Aufrichten und Aufschichten von Steinblöcken, das Relief und die Beschriftung. Das Osterkreuz auf dem Friedhof in Oestereiden ist ein markantes Zeichen dafür, wie man einen Steinblock aufstellt und darauf – in Kreuzesform behauen – noch einen zweiten. Durchbrüche wie bei diesem Kreuz schaffen einen lichtfreudigen Durchblick, geben dem Steinblick bei all seiner Schwere geistige Leichtigkeit. Bei der Beschriftung von Steinblöcken, die als Grabmäler oder als Stationen für die Glücklichpreisungen dienen, wirkt die Schrift wie geschrieben auf einer uralten widerstandsfähigen Tafel, ausgesetzt der Veralgung und Vermoosung. Die Relieffiguren wirken archaisch stilisiert. Stein ist das Dauerhafte, das Widerstandfähige, schöpfungsmäßig das Uralte, schon früh in der Menschheitsgeschichte sichtbar gewordene kosmische Religiosität…“

Ein besonders schönes Bild entsteht, wenn die Morgensonne aus dem Osten oder die Abendsonne aus dem Westen durch die Öffnung fällt.

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Foto: G. Eickhoff

Quellen

Friedhelm Sommer, Archivar der Stadt Rüthen. 2019

Anton Gössmann, Rüthen-Langenstraße, 2019

Wilhelm Gössmann, Hrsg.: Der Bildhauer  Johannes Dumanski: Holz Stein, Bronze. Westfälische Verlagsbuchhandlung Mocker& Jahn, Soest , 1990.

Verfasst von Anne und Franz-Werner Schmücker