Kirche St. Antonius der Einsiedler Oestereiden

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Auszug aus einer Predigt
von Pastor Neuser zum Patronatfest 2009

kirche3kirche2Seit ein paar Jahren steht auf einem Seitenaltar unserer Kirche eine Figur des heiligen Antonius. Ich kann mich gut erinnern – als es darum ging eine Antoniusfigur in Auftrag zu geben – damals gab es einen Stifter – da hatten wir ein Gespräch mit einem Holzbildhauer – also mit jemand, der solche Figuren herstellt. Damals gab es die Frage: wie machen wir denn deutlich, dass es sich bei dieser Figur um den heiligen Antonius handelt. Es ist ja so: damit man die Figuren in den Kirchen und Kapellen den entsprechenden Heiligen zuordnen kann, hat man ihnen bestimmte Attribute zugefügt. Attribute – Symbole, die an bestimmte Begebenheiten aus dem Leben der Heiligen erinnert oder die mit der Wirkungsgeschichte des Heiligen verbunden sind.

Wir kennen z. B. den Pfau des hl. Liborius. Er bezieht sich auf die Legende, die von der Übertragung der Gebeine aus dem französischen Le Mans hier in unser Bistum Paderborn erzählt wird. Damals soll ein Pfau den Zug der frommen Pilger begleitet haben. Deshalb ist der Darstellung des hl. Liborius als Bischof sehr häufig ein Pfau beigefügt. Oder hier in der Kirche der heiligen Elisabeth einen Rosenkorb und der heiligen Agnes ein Schaf.

Warum aber hat unser Patron, der hl. Antonius die Attribute, die wir an seiner Figur erkennen: In der Hand ein Kreuzstab in T-Form, die Glocke und natürlich das Schwein zu seinen Füßen? Natürlich gibt es für solche Fragen schlaue Bücher. Wenn man da nachschaut kann man beispielsweise erfahren, dass die T-Form des Kreuzstabes seinen Ursprung darin hat, das diese Kreuzesform das so genannte ägyptische Kreuz ist. Wir wissen ja, dass der hl. Antonius in Ägypten gelebt hat und deshalb ist ihm wahrscheinlich diese Form des Kreuzes zugeordnet worden. Inzwischen heißt diese Kreuzesform offiziell sogar Antoniuskreuz.

Die Glocke des heiligen Antonius ist ein Hinweis auf den Orden der Antoniter. Eine Gemeinschaft, die sich zwar erst im 12 Jahrhundert gegründet hat – also weit nach dem Tod des Heiligen – die sich aber den heiligen Antonius als besonderes Vorbild erwählt hatte. Diese Ordensgemeinschaft hatte sich die Sorge für die Seuchenkranken zur Aufgabe gemacht. In dieser Zeit gründeten sich am Rande größerer Ortschaften so genannte Sichenhäuser – Häuser,

in denen die Kranken unterkamen, von denen eine große Ansteckungsgefahr ausging. Orden, wie der der Antoniter, kümmerten sich um diese kranken Menschen. Wenn diese dann in der Stadt um Almosen bettelten, kündigten sie schon von weitem durch Glocken ihr Kommen an. Das geschah vor allem wegen der großen Ansteckungsgefahr, die von Menschen ausging, die mit den Seuchenkranken Kontakt hatten.

Auch das Schwein zu Füßen des heiligen Antonius – so ist es in den schlauen Büchern zu lesen - erinnert an ein Privileg der Antoniter. Sie durften – als Lohn für ihre Krankendienste – ihre Schweine frei herumlaufen lassen – sie wurden dann am Fest des heiligen Antonius – also am 17. Januar geschlachtet – und das Fleisch dieser Tiere wurde an die Armen verteilt. Soweit die offizielle Erklärung.

Allerdings gibt es auch eine schöne Legende, die vom heiligen Antonius und seinem Schwein überliefert ist. Wir wissen ja, dass solche Heiligenlegenden – ähnlich wie die figürlichen Darstellungen der Heiligen – aus dem Bedürfnis entstanden sind, eine bestimmte Begebenheit oder einen bestimmten Charakterzug des entsprechenden Heiligen darzustellen. Von daher sagen diese Legenden manchmal mehr über einen Heiligen als die bloße Aufzählung der äußeren Daten.

So wird vom heiligen Antonius erzählt, dass er sich in die Wüste zurückgezogen hat, um allein Gott zu dienen. Wohl um sich zu versorgen, hat er sich ein Schwein mitgenommen, das also an diesem einsamen Ort mit ihm lebte. Als sich Antonius eines Tages ganz ins Gebet versenken wollte, störten ihn die Geräusche des Schweins. Also trieb er das Tier fort um allein zu sein. Kaum hatte er sich aber wieder für seine Meditation bereit gemacht, tauchte das Schwein wieder auf und störte. Wieder trieb er es weg, diesmal weiter als beim ersten Mal. Und doch – auch diesmal kehrte das Schwein - zur Verärgerung des Heiligen – sehr schnell wieder zurück. Voll Wut scheuchte er es wieder davon, um ja nicht mehr von ihm gestört zu werden. Doch auch das brachte sehr wenig. Er hatte sich kaum zum Gebet wieder niedergelassen, war das Schwein wieder da. Da erkannte Antonius, dass das ein Zeichen Gottes sein musste. Er baute dem Schwein ein Gatter – eine Pferch – damit das Tier seinen Platz und er seine Ruhe hatte.

Warum aber ist diese – doch eher harmlose Geschichte überliefert? Offensichtlich hat man in ihr etwas Tieferes gesehen. Jedenfalls haben die Schüler des Antonius bereits sehr früh diese Begebenheit auch auf die geistlich– seelische Ebene übertragen. Für sie macht diese Geschichte deutlich: man kann das Schwein  - wie würden vielleicht heute sagen: den inneren Schweinehund - nicht so einfach aus dem Leben vertreiben. Er meldet sich immer wieder – gerade dann, wenn man in die Stille geht – wenn man zur Ruhe kommt. Auf einmal sind die schweinischen Gedanken, die innere Unruhe, die Versuchungen wieder da. Man kann sie nicht vertreiben – man muss ihnen einen Platz geben – einen Ort – ein Gatter. Es geht um die Einbindung, auch des eigenen Bösen – der Versuchung in das eigene Leben – mit Gewalt ist da nichts zu machen. Besser schon, man gibt ihm einen Platz, an dem es sich nicht ausbreiten kann.

Vielleicht nehmen wir diese Erfahrung des heiligen Antonius als Ermutigung, auch unsere Versuchbarkeit neu anzunehmen. Es gibt die Versuchung auch in unserem Leben – aber sie sollte nicht zuviel Raum einnehmen dürfen. Der heilige Antonius hat das Schwein so nah an sich herangelassen, dass es sogar zu seinem Erkennungszeichen geworden ist.

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Alte Innenansicht der Kirche

Die Entstehung der Kirche

Nach Gründung des Kirchspiels Hoinkhausen und Fertigstellung der Pfarrkirche wird es in Eden, dem Hauptsitze des Adligen, zum Bau einer Kapelle gekommen sein. Dafür spricht eine Verkaufsurkunde vom 25. Februar 1472, in welcher Görd von Berndinghusen an den Grafen Curt von Rietberg einen Garten und 9 Kotstätten zu Eden und 3 Kotstätten auf dem Kirchhofe, daselbst verkauft. Die Bezeichnung „Kirchhof“ war zu der Zeit schon ein feststehender Begriff. Wo aber ein Kirchhof ist, muss auch eine Kirche sein. Das Schatzkataster des Klosters Oelinghausen aus dem Jahre 1597 gibt weitere Nachrichten über die Oestereider Kapelle. Bei der Beschreibung der Ländereien des Kleinjoan heißt es „ein Driggart in dem Roden zwischen St. Antoniessen, der Kapelle allhier zu Oestereiden und der Woldemeine“. Beim Bosinghof: „vier Morgen schießen auf St. Antony der Kapellen zu Oestereiden Land“. Oder bei Peter Keune: „Ein Morgen bei dem Herzogbusch zwischen Johann Groffen und der Oestereidischen Kapelle“. Damit ist klar erwiesen, dass schon lange vor dem Dreißigjährigen Kriege eine Kapelle in Oestereiden vorhanden und St. Antony der Patron derselben war. Diese Kapelle ist in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ebenfalls der Vernichtung anheim gefallen. Über Größe und Baustil ist nichts mehr bekannt. Am selben Platze erstand 1655 eine neue Kapelle, die im Lagerbuche der Pfarrkirche zu Hoinkhausen wie folgt beschrieben wurde:

Die Kapelle zu Oestereiden liegt mitten im Dorfe von Osten nach Westen auf dem so genannten Kirchhofe. Sie ist nach der über dem Eingang sich befindenden Inschrift:

Deo Vero exCeLso et optiMo

(Dem wahren erhabenen und allgütigen Gott)

im Jahre 1655 erbaut; ist 29/t Fuß breit, 71 Fuß 4Y2 Zoll lang und 15 Fuß hoch, rheinländisch Maß, ist nach der Südseite mit 5 und nach der Nordseite mit 3 Fenstern versehen und in der Brandsozietät mit 340 Rtlr. Schatzcoure versichert.

Der Kapellenboden wird teils zur Aufbewahrung der Kapellengeräte benutzt und ist teils für 7 Rtlr. verpachtet (Kornboden).

Einkünfte der Kapelle

Zur Kapelle gehörten ca. 25 Morgen Ackerland. Davon hatten

  1. Erbpächter Kleinjoan später Heining

15 Morgen            3 Ruthen für             10 Scheffel Roggen

10 Scheffel Gerste

an Geld: 7 Sgr. 9 Stüber

  1. Erbpächter Heining

9 Morgen                       2 Ruthen für             6 Scheffel Roggen

6 Scheffel Gerste

an Geld:8 Sgr. 10 Stüber

Der durchschnittliche jährliche Ertrag betrug:

an Roggen = 15 Rtlr. 18 Sgr.
an Gerste = 12 Rtlr. 14 Sgr. 8 Stüber
an Geld = 16 Sgr. 7 Stüber
Summa: 28 Rtlr. 19 Sgr. 3 Stüber

Hinzu kamen die Zinsen für in Obligationen angelegte Kapitalien.

  Kapitalien Zinsen
            Schuldner Rtlr. Sgr. Stb. Rtlr. Sgr. Stb.
1.         Schnieders Oestereiden 63 2 4 3 4 7
2.         Ressmann, Ferd. Oestereiden 49 11 - 2 14 1
3.         Witthaut Oestereiden 19 22 5 - 29 8
4.         Schuwe Hoinkhausen 58 12 5 2 27 8
5.         Menke Drewer 63 24 8 3 8 9
6.         Schmücker, Franz Oestereiden 183 24 2 9 5 9
7.         Bierwe Westereiden 100 - - 5 - -
8.         Budde, gen. Schlüter Oestereiden 70 - - 3 15 -
Summa 610 7 - 30 15 6
  +28 +19 +3
Gesamteinnahmen 66 34 9

Die zur Kapelle gehörigen Ländereien gingen als Lehensgüter mit der Bauernbefreiung verloren.

kirche5Alter Beichtstuhl

Mit Ende des 19. Jahrhunderts war die Kapelle baufällig geworden und wurde 1896 abgerissen. Obwohl andere Standorte in Erwägung gezogen wurden, entschied man sich letztendlich wieder für den alten Standort. So aber wurde der erste Spatenstich der neuen und größeren Kirche am alten Platze am 3. Juli 1897 getan. Der Entwurf zur neuen, im gotischen Baustil gehaltenen Kirche stammte vom Bauunter­nehmer Pehle in Lippstadt. Als die Grundmauern etwa einen Meter aus der Erde ragten, legte der Pfarrer von Hoinkhausen in feierlicher Weise den Grundstein. Der Rohbau erstand unter einem Kostenaufwand von 23000 Mark. Die feierliche Einweihung der Kirche nahm am 20. Oktober 1898 der Dechant Hogrobe aus Suttrop unter Beteiligung des ganzen Dorfes vor. Anlässlich der Spendung der heiligen Firmung in Oestereiden am 20. Juli 1906 konsekrierte der Hochwürdigste Herr Bischof Schneider von Paderborn die Kirche.

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Ostansicht der Kirche

kirche8Nach Fertigstellung der neuen Kirche wurde von Hoinkhausen aus an den Sonntagen und gelegentlich auch an den Werktagen in Oestereiden das heilige Messopfer gefeiert. Mit dem Vikar Wahle aus Winterberg erhielt dann im Jahre 1903 Oestereiden einen eigenen Geistlichen, gehörte aber nach wie vor noch zur Pfarrei Hoinkhausen. 1904 verkaufte Schulenberg - Köller der Kirchenge­meinde in Oestereiden an der Straße nach Westereiden für 1500 Mark ein Grundstück für den Kirchhof. Im Jahre 1919 wurde dann Oestereiden Pfarrfiliale mit eigener Ver­mögensver­waltung und Korporations­rechten. Damit war das Verhältnis zur Pfarr­kirche noch nicht ganz gelöst. Taufen und Trauungen fanden noch immer in Hoinkhausen statt. In der Karwoche waren die Mitglieder der Gemeinde gehalten, dem Gottesdienst in Hoinkhausen beizu­wohnen. Darum erfolgte an die bischöfliche Behörde in Paderborn der Antrag auf Erhebung zur Pfarrvikarie, dessen Gewährung am
1. März 1921 stattfand. Bei
der vermögensrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der Pfarrei und Pfarrvikarie verblieben alle Ländereien bei der Pfarrei in Hoinkhausen. Der Küster von Hoinkhausen erhielt eine Entschädigung von 1000 Mark, während Pastor Schütte auf jegliche Entschädigung verzichtete.

Der innere Ausbau der Kirche brauchte noch Jahre. 1909 erfolgte die Ausmalung der Kirche. Dazu beauftragte man einen Malergehilfen des Malers Goldkuhle, der die Bemalung der Kirche in Langenstraße übernommen hatte. Die Ausmalung kostete 2000 Mark. Hinzu kamen noch 335 Mark für das Gerüst.

Im Krieg 1914-1918 mussten zwei Glocken abgegeben werden. 1923 wurde die Firma Humpert in Brilon beauftragt, neue Glocken zu liefern. Diese wurden nach Fertigstellung und Lieferung sofort auf den Turm gebracht, da sie am nächsten Tag bei der Lobeprozession geläutet werden sollten. Eine feierliche Glockenweihe gab es wegen der Kürze der Zeit nicht. 1924 erhielt die Fa. Speith in Rietberg den Auftrag, eine 15registrige Orgel zu liefern. Diese sollte das alte Harmonium ersetzen, das bisher die musikalische Untermalung der Gottesdienste lieferte. Ein Register der neuen Orgel kostete 500 Mark, insgesamt mussten für die Orgel 7500 Mark aufgebracht werden. Durch die vorzeitige Bezahlung in Papiermark während der Inflationszeit wurden etwa

1500 Mark gespart.

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Kanzel, spätgotisch, 16. Jahrhundert
5 Seiten eines Achtecks mit Strebpfeilern und Maßwerk
Durchmesser 0,60m; Brüstung 1,25m
Aufnahme von 1910/11

kirche10Auf Wunsch der Gemeinde wurde 1931 ein Holzfußboden in der Kirche verlegt. Auch zeigte sich, dass die Treppe und das Geländer der Kanzel in einem sehr desolaten Zustand waren. Heinrich Vogt wurde mit der Instandsetzung beauftragt. Er erneuerte die Säule der Kanzel und fertigte eine neue Treppe mit Geländer an, die im Stil der Kanzel entsprach. Nach der Renovierung wurde die Kanzel auf der anderen Seite angebracht. Die Verlegung wurde notwendig, da zum gleichen Zeitpunkt eine Warmluftheizung installiert wurde. Das  Warmluftgitter kam an die seitliche,  nördliche Chorwand. Weihnachten 1931 wurde die Heizung erstmalig genutzt. Sie kostete rund 1800 RM.

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Chorfenster

kirche16Auch entschloss man sich, das Chor heller zu gestalten, um die Wirkung des reichhaltigen gotischen Hauptaltares zu erhöhen. Die dunklen Scheiben im Mittelteil der seitlichen Chorfenster wurden durch hellere ersetzt. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch Glasmaler Otto Peters, Paderborn. Die Anlage des Warmluftgitters machte eine Erneuerung der Malerei an der nördlichen Chorwand notwendig. Gleichzeitig erhielt der Chorsockel unter den jubilierenden Engeln wegen vielfacher Beschädigung ein neues verändertes Gesicht. Die Altäre, Kanzel und Kommunionbank wurden neu lasiert, bronziert und lackiert. Ausgeführt wurden die Arbeiten von Malermeister Fritz Risse, Oestereiden. Auch für die Ausschmückung der Kirche wurde in diesem Jahr etwas getan. Drei Pfeilerbilder wurden angeschafft, eines zeigt den Heiligen Josef, eines den Heiligen Antonius von Padua und eines die Heilige Mutter Anna. Sie stellten eine  Ergänzung des bereits seit 1914 vorhandenen

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Pfeilerbildes der Gottesmutter von der immerwährenden Hilfe dar und waren ein Geschenk einiger Gemeindemitglieder. In den nächsten Jahren wurden verschiedene In­standsetzungsarbeiten durch­geführt, wie Anstrich der Sakristei, Erneuerung des Schalldeckels der Kanzel, Renovierung der Kirchen­bänke, Lasierung der Sakristeieinrichtung. Eine besondere Aufwertung erfuhr die Kirche 1937 durch den Einbau neuer Fenster im Turm und im Schiff. Die Fenster im Schiff zeigen die zwölf Apostel, die Fenster im Turm Taufsymbole. Ausgeführt wurden die Arbeiten von Otto Peters, Paderborn, für 2200 RM. Der Betrag wurde restlos durch freiwillige Spenden aufgebracht. 1938 wurde die Orgel erweitert, um mehr Klangfülle und Stärke zu erhalten, und zwar von der Fa. Stockmann in Werl für 860 RM.

kirche18Der zweite Weltkrieg beeinflusste auch die Entwicklung der Kirche. 1942 mussten die beiden größten Glocken abgeliefert werden. Mit größter Mühe gelang es, die dritte Glocke, die Antonius-Glocke, die bereits abmontiert auf dem Kirchplatz stand, vor der Beschlagnahme zu retten. Nach Beendigung des Krieges nahm man 1947 Verhandlungen mit dem „Bochumer Verein“ zwecks Lieferung von drei Stahlglocken auf. Im August 1948, zwei Monate nach der Währungsreform, wurden die Glocken geliefert. Am 29. August 1948 wurden sie feierlich durch Herrn Dechant Ludwig Rickert geweiht. Am Lobetag, 12. September 1948, konnte das Geläut zum ersten Mal erklingen. Die Gesamtkosten von ca. 9000 DM wurden durch freiwillige Spenden aufgebracht. Die Spendenfreudigkeit der Gemeindemitglieder war 1954 wieder gefragt, stand doch die Generalüberholung der Orgel und der Einbau eines neuen elektrischen Spieltisches an. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Fa. Gebr. Stockmann in Werl, die 11000 DM für die Arbeit bekam.

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Im Laufe der Jahre war das Kirchendach schadhaft geworden. 1959 wurden das Dach und der Helm des Kirchturms durch Dachdeckermeister Bathe Suttrop einer gründlichen Überholung unterzogen. Es zeigte sich jedoch schon nach einigen Jahren, dass das Dach einer grundlegenden Erneuerung bedurfte. 1965 wurde dies in Angriff genommen. Damit wurde die erste große Renovierung eingeläutet. Im Zuge dieser Arbeiten erhielt der Kirchturm ein Kupferdach, eine Läutemaschine wurde eingebaut, die elektrischen Anlagen erneuert, der Glockenklöppel verbronzt, ein elektrischer Liederanzeiger installiert und die Sakristei renoviert. 1967 schloss sich die Erneuerung der Kirchenheizung an. 1969 erhielt die Kirche neue Bodenplatten und wurde von dem Kirchenmaler Müller neu ausgemalt. Die Fa. Peters aus Paderborn überholte die Kirchenfenster. Der Chorraum wurde neu gestaltet. So wurde unter anderem der Hochaltar abgebeizt und er erhielt einen neuen Tabernakel. Ein neuer Altar­tisch wurde angeschafft, an dem Eucharistie der Gemeinde zuge­wandt gefeiert werden konnte. Die Seitenaltäre wur­den nicht mehr aufgestellt. Rechts des Altars fand nun eine Madonna ihren Platz, die ursprünglich in der alten Kapelle gehangen hatte. Viele Jahre war sie als Leihgabe in Eringerfeld, bevor sie restau­riert in die Kirche zurück­kehrte. Links des Altars wurde die Kanzel montiert. Auch die Pfeilerbilder hängte man nicht wieder auf, bis auf das Bild der Gottesmutter von der immerwährenden Hilfe. Ein neuer Kreuzweg aus Oberammer­gau vervollständigt das Gesamt­bild. Im Zuge dieser Renovierung­sarbeiten wurde auch die Orgel überholt. Die Kosten für alle diese Maßnahmen wurden zwar bezuschusst, doch vieles wurde durch die zahlreichen Spenden der Gemeindemitglieder finanziert. 1986 musste eine neue Heizung eingebaut werden. Der Einbau war Auftakt zur Außenrenovierung und Innenrenovierung der Kirche, die bereits Anfang März 1987 abgeschlossen werden konnte.

Am 15. März 1987 wurde die Altarweihe vollzogen. In das „Grab“ des Altars wurden die neu versiegelten Reliquien der hl. Eobanus und Adelarius eingemauert, die schon in dem  alten Altar waren.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts erfuhr der Kirchenvorstand, dass die Seitenaltäre bei der Fa. Röbbecke eingelagert waren. Die Altäre waren vollständig und in einem guten Zustand. Gleichzeitig entdeckte man Teile des alten Taufbeckens im Pfarrgarten, während der Sockel und die Säule des Beckens im Schuppen neben dem Pfarrhaus lagerten. Auch der Deckel des Beckens wurde in Röbbeckes Lagerraum wieder gefunden. So beschloss der Kirchenvorstand die Altäre und das Taufbecken renovieren zu lassen und in die Kirche zurückzuholen. Den Auftrag für die Altäre erhielt der Kirchenrestaurator Johannes Röbbecke , während der Bildhauer Alfons Sprick aus Erwitte die verschiedenen Bruchstücke des Taufbeckens zusammenfügte. Teile der alten Kommunionbank wurden im Chorraum als Opfergabentisch aufgestellt.

Nach der Rückführung dieser Gegenstände in die Kirche übernahm der Kirchenmaler Bernhard Lepper aus Langenstraße.

1991 wurde die Orgel mit einem Kostenaufwand von 155000 DM einer Generalüberholung unter­zogen. Die Fa. Speith Rietberg übernahm diese Aufgabe und baute die Orgel komplett aus.

Fast alle alten Pfeifen konnten wieder verbaut werden, zusätzlich wurden mit einem Fagott 16‘, Prinzipal 8‘ und einer Waldflöte 2‘ drei neue Register eingebaut. Zusammen sind es 16 Register mit insgesamt 1004 Pfeifen

Das Orgelgehäuse wurde dafür um ca. 10 Zentimeter höher gelegt und der Spieltisch wieder vor die Orgel gesetzt.

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Priester in Oestereiden

1903-1904 Vikar Wahle

aus Winterberg

1904-1907 Vikar Brück

aus Bochum

1907-1912 Seminar-Priester Lüdorf

aus Haspe

1912-1920 Vikar Bernhard Knostmann

aus Oebisfelde

1920-1929 Seminar-Direktor a. D. Jammer

aus Büren

1929-1961 Vikar Albert Grobe

aus Effeln

1961-1964 Vikar Joseph Machalke

aus Bad Driburg

1965-1967 Vikar Bernhard Krause

aus Dortmund

1968-1977 Pastor Heribert Höckenschnieder

aus Herzfeld

1978-1983 Pastor Anton Behrendes

aus Warburg

1984-1997 Pastor Michael Hennemann

aus Attendorn

1997-2000 Pastor Georg Laube

aus Pr. Stargard

2000-2010 Pastor Andreas Neuser

aus Netphen

2010- Pastor Theobald Wiechers

aus Salzkotten

Priester aus der Gemeinde Oestereiden

Caspar Heinrich Vollmer gest. 1837 als Cooperator in Nephten
Augustin Schmücker Benediktiner, gest. 1886
Bernhard Schmücker Pfarrer in Hörste, gest. 1946
Heinrich Löper-Witthaut gest. 1920 als Vikar in Arnsberg
Bernhard Tigges gest. als Vikar in Menden 1929
Franz Vogt Franziskanerpater, Accursiuis, gest. 11.6.1973 in Werl
Wilhelm Vogt Franziskanerpater, Florentin, gest. 16.1.1992 in Lengenfeld unterm Stein
Ernst Borgmann Pater von der Gesellschaft vom Göttlichen Worte, Steyl, gest. 12.12.1982.
Franz-Josef Vogt Franziskanerpater, Meinolf, gest. 22.3.1994 in Rüstingen
Hubert Vogt Franziskanerpater, Prof. Dr. in Honkong
Engelbert Rustige-Canstein Salvatorianerpater, Michael, in Münster

Quellen:

Geschichte des Kirchspiels Hoinkhausen

von Heinerich Schlootkötterund Wilhelm Hültenschmidt

Pfarrarchiv der Kirchengemeinde St. Antonius d. E., Oestereiden

Fotos. Thomas Rensinghoff und andere